Grenzgang
Von Abgrenzungen im heimischen Raum erfahren wir erstmals in einer Urkunde aus dem Jahre 1048, dort wird die Grenze des Haigerer Kirchensprengels beschrieben, auch ist in dieser Urkunde erstmals die Rede von einer Herborner – und einer Haigerer Mark.
Nach dieser großflächigen Abgrenzung der königlichen Marken nahm die Besiedelung des Landes allmählich zu, größere Siedlungen entstanden, Herborn verlieh man 1251 die Stadtrechte.
Wann und wie sich Herborn – Seelbach entwickelte ist nicht bekannt, auch wenn für unseren Ort bereits 1290 eine Kapelle erwähnt wird, existierten zu dieser Zeit aber immer noch die Siedlungen Dernbach und Monzenbach. Wann es die ersten Abgrenzungen im Bereich unserer heutigen Gemarkung gab, wissen wir nicht. Vom so genannten “Dringelstein“(*), die Felskuppe auf der sich heute der “Jahntempel“ befindet, heißt es:
“ … da die Alten vorzeit berichten, wenn man einen Eimer Wasser darauf schüttet, wie dann das Wasser laufe, teils nach Herborn, teils nach Seelbach zu, so soll es auch mit der Grenz gehalten werden. … “ aus : Eugen Huth; Herborn – Mark und Stadt, S.67 (*)
Das Wort Dreieck ist noch recht jung in unserem Sprachgebrauch, früher nutze man zur Beschreibung dieser Form das Wort „Triangel“.
Dies bezeichnet, wie so oft bei Flurnamen, die Form des Berges. Also sinngemäß auffallend „spitze Bergkuppe“.
Erste schriftliche Zeugnisse liefern uns Grenzbegangsprotokolle aus dem 17. Jahrhundert. Offenbar beging man damals die Grenze nur sehr unregelmäßig und es scheinen damals auch nur sehr wenige feste Grenzzeichen vorhanden gewesen zu sein.
Man orientierte sich an auffälligen Geländemerkmalen, Hecken oder Bäumen. Aber es werden auch bereits an markanten Geländepunkten Grenzsteine erwähnt, die man als „sechseckigte“ oder „Bylsteine“ (Basaltsäulen) bezeichnet. Schaut man heute genauer hin, so findet man noch diese Basaltsäulen an genau diesen Stellen. Sie sind somit die ältesten unserer Grenzsteine!
Nach den katastrophalen Jahren des 30jährigen Krieges, stieg die Bevölkerungszahl in den darauffolgenden Jahrzehnten kontinuierlich an und die Randbereiche unserer Gemarkung wurden immer intensiver genutzt. Im 18. Jahrhundert sind uns einige Grenzstreitigkeiten mit Nachbargemarkungen in den Archiven überliefert und die Grenze wurde nun auch „enger ausgesteint“, d. h., es wurden zwischen die bereits existierenden Basaltsäulen weitere Steine, meist natürliche Feldstein gesetzt.

Aber immer wieder kam es zu Grenzverletzungen, gerade in Bereichen der ehemaligen Viehweiden wurde das Vieh oft zwischen den Steinen hindurch in die Wälder und Weiden der Nachbargemeinden getrieben. Nun folgte ein weiterer Akt der Grenzmarkierung. Es wurde, wo möglich, ein Graben entlang der gesamten Gemarkungsgrenzen gezogen, der in Teilen noch heute gut sichtbar ist. An exponierten Stellen an denen der massive Untergrund einen Graben nicht ermöglichte, warf man Lesesteine in langen Reihen entlang der Grenze auf, die noch heute wie Reste von Mauern wirken (z.B. auf dem Funkenberg und Rauer Berg). war es möglich mal einen Grenzstein zu „übersehen“, nun wusste jeder, der den Graben überschritt, das er sich auf dem Territorium der Nachbargemeinde befand, Irrtum ausgeschlossen!
Um die Kontrolle der Grenzen (die ja damals nicht regelmäßig stattfanden) zu erleichtern, wurden die Grenzsteine durchnummeriert. So konnte ein fehlender Stein sofort identifiziert und die Lücke geschlossen werden.
Stein Nummer 1 und der letzte Stein mit der Nummer 242 stehen am Mühlenwehr an der Aar. Die Nummerierung erfolgt gegen den Uhrzeigersinn. Die erste detaillierte Beschreibung und Nummerierung finden wir im Aussteinungsregister aus dem Jahre 1827.
Erst im 20. Jahrhundert scheinen die Grenzgänge in regelmäßiger Folge stattgefunden zu haben.
Die Gemeinde Herbornseelbach pflegte diesen alten Brauch jedes Jahr „Zwischen den Jahren“. Nach der Eingemeindung in den 1970er Jahren hielten Seelbacher Stammtische den Gang entlang der Grenze am Leben.
Erst 1989 übernahm der neu gegründete Heimat – u. Geschichtsverein Herborn – Seelbach diese Tradition und begeht seither in regelmäßigen Abständen etwa ein Drittel der Gemarkungsgrenze.
Der „Historische Grenzgang“ ist fester Bestandteil des Vereinslebens und der damit verbundenen Pflege des Heimatgedankens.











